Forderungen der Gewerkschaften und ihre Relevanz für Steuerkanzleien

Arbeitsmarkt & Kanzleiwelt
January 15, 2026
3
Minuten Lesezeit
Verfasst von
Sina Hengst

Am 24. Januar 2025 haben in Potsdam die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen begonnen. Verhandelt werden die Entgelte für die Tarifbeschäftigten des Bundes und der kommunalen Arbeitgeber, deren Arbeitsverhältnisse durch den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst geregelt sind. Die Verhandlungen betreffen rund 2,6 Millionen Beschäftigte der Kommunen und 132.000 Beschäftigte des Bundes.

Die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst sind ein bedeutendes Thema, das nicht nur die öffentlichen Institutionen, sondern auch die private Wirtschaftslandschaft beeinflusst. Die Forderungen der Gewerkschaften in Bezug auf Entgeltsteigerungen und verbesserte Arbeitsbedingungen stellen eine wesentliche Grundlage für die Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern dar. Auch für Fachkräfte im Steuerwesen ergeben sich durch diese Forderungen weitreichende Implikationen.

Die Gewerkschaften im öffentlichen Dienst, insbesondere ver.di und der dbb Beamtenbund, fordern eine Entgelterhöhung von 8 % oder mindestens 350 Euro monatlich sowie eine Entlastung durch zusätzliche Freizeit und mehr Zeitsouveränität. Diese Forderungen sind das Resultat einer zunehmenden Arbeitsbelastung der Tarifbeschäftigten im öffentlichen Dienst. In Bezug auf Steuerkanzleien könnte eine ähnliche Entwicklung eintreten, da auch hier die Fachkräfte – vor allem Steuerfachangestellte und ähnliche Berufe – unter hohem Druck stehen, um mit den ständigen Änderungen im Steuerrecht und den wachsenden Anforderungen der Mandanten Schritt zu halten.

Steuerkanzleien befinden sich in einem starken Wettbewerb zueinander, nicht nur hinsichtlich der angebotenen Dienstleistungen, sondern auch hinsichtlich der Arbeitgeberattraktivität. Die Forderungen im öffentlichen Dienst, wie etwa höhere Löhne und eine bessere Work-Life-Balance, könnten als Signal an private Arbeitgeber dienen, in ähnlicher Weise zu reagieren, um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Der Arbeitsmarkt für Steuerfachangestellte ist bereits jetzt angespannt, da immer mehr Kanzleien um die besten Talente konkurrieren müssen. Das bedeutet, dass private Kanzleien dazu angehalten sein könnten, ähnliche Gehaltssteigerungen oder Zusatzleistungen wie im öffentlichen Dienst anzubieten, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die erhöhte Entgeltforderung von 8 % oder 350 Euro könnte so auch für Steuerkanzleien ein Maßstab werden, um ihre eigenen Vergütungsstrukturen zu überprüfen.

Wettbewerb im Kanzleimarkt

Ein zentraler Aspekt, den es zu bedenken gilt, ist, wie dieser Wettbewerb zwischen den Kanzleien aussieht. Wenn größere Kanzleien mit einer besseren Bezahlung oder attraktiveren Arbeitszeitmodellen aufwarten, wird der Druck auf kleinere oder mittelgroße Kanzleien steigen, sich ebenfalls zu verbessern, um ihre Angestellten zu halten oder neue Talente zu gewinnen. Insbesondere die Forderungen nach einer besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit könnten hier eine Rolle spielen. Kanzleien, die flexible Arbeitszeitmodelle oder die Möglichkeit zur Freistellung über ein Zeitkonto anbieten, könnten so einen wichtigen Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte erhalten.

Fazit

Die Forderungen nach höheren Gehältern und mehr Freizeit im öffentlichen Dienst sind grundsätzlich nachvollziehbar, da sie den steigenden Anforderungen und der zunehmenden Belastung der Beschäftigten Rechnung tragen. Für Steuerkanzleien und ähnliche private Unternehmen im Wettbewerbsumfeld könnte dies ein Anlass sein, ihre eigenen Vergütungs- und Arbeitszeitmodelle zu überprüfen. Es könnte zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Fachkräfte führen, aber auch die finanziellen Belastungen für Arbeitgeber erhöhen. Es bleibt zu beobachten, wie private Arbeitgeber reagieren werden und ob die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine solche Anpassung tatsächlich zulassen. Die Herausforderung wird darin bestehen, ein Gleichgewicht zwischen fairer Entlohnung und den finanziellen Möglichkeiten der Kanzleien zu finden, während gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit gewahrt bleibt.


Falls du unser aktuelles Video dazu noch nicht gesehen hast, kannst du es dir hier anschauen.

Quelle: https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/kurzmeldungen/DE/2025/01/tarifverhandlungen2025.html